Erdgas-Netz der Stadtwerke in sehr gutem Zustand

Prüfer gehen über 180 Kilometer / Investitionen haben sich gelohnt


Rund 180 Kilometer Erdgas-Leitungen liegen in der Kreisstadt unter der Erde. Sehen kann man Erdgas nicht, auch riechen kann man es eigentlich nicht. Daher gibt die Stadtwerke Osterholz-Scharmbeck GmbH der wichtigsten Heizenergie der Stadt, über 70 Prozent der Haushalte heizen mit Erdgas, einen Geruchsstoff hinzu. Wenn es nach „faulen Eiern“ riecht, dann kann die Ursache eine undichte Stelle sein. Dieses Prinzip funktioniert in den Häusern. Für die Fehlersuche im Außenbereich setzen die Stadtwerke auf ein aufwändiges Prüfverfahren.

Sicherheit wird bei der Erdgasversorgung generell groß geschrieben. Alle vier Jahre führen die Stadtwerke eine umfassende Routine-Untersuchung für alle Erdgas-Leitungen durch, so sieht es das technische Regelwerk vor. Seit Montag, dem 7. Mai, prüft der Erdgasmonteur Andreas Franz mit einem elektronischen Gasmess-Spürgerät das gesamte Erdgasnetz. Er arbeitet für das zertifizierte Spezialunternehmen Bohlen & Doylen, einer bundesweit tätigen Bau und Service GmbH aus dem Emsland. Alle zwei Jahre wird das Fachunternehmen im Rahmen der gesetzlichen Regelungen geprüft. Die Mitarbeiter werden jährlich mit Schulungen auf die verantwortungsvolle Tätigkeit vorbereitet.

Vor sich schiebt der Sicherheitsfachmann ein kleines Rollgerät. Über dem Boden befindet sich eine „Teppich-Sonde“, so groß etwa wie ein Briefbogen, aber aus Kunststoff. In der Mitte ist ein Schlauch angebracht. Dieser saugt die Luft vom Boden ab und führt die Luft in ein Messgerät, das vor dem Körper des Mitarbeiters geschnallt ist. Das sensible Gerät untersucht die Luft auf Methananteile. Methan ist allgemein nicht in der Luft enthalten, aber Erdgas besteht zu etwa 93 Prozent aus Methan.

Von den Stadtwerken ist der Erdgas- und Trinkwasser-Monteur Olaf Stelljes als „Lotse“ mit unterwegs. Er kennt das Leitungsnetz in der Kreisstadt schon seit 25 Jahren. Anhand von genauen Netzplänen geht das Duo sämtliche Erdgas-Leitungen auf den Straßen, Wegen und Privatgrundstücken ab. Bei den Straßen gehen sie nicht direkt auf dem Asphalt, sondern eher am Fahrbahnrand. „Erdgas ist leichter als Luft. Und zwischen den Pflastersteinen kann das Erdgas leichter aus dem Boden entweichen. Daher reicht es, wenn wir parallel zu den Leitungen gehen.“ erklärt Stelljes. Die sensible Messtechnik erkennt schon ein einziges Methan-Molekül unter einer Million Luftmolekülen und gibt dann sofort eine Warnmeldung aus.

Nach einer Warnmeldung machen sich die Fachleute auf die Suche nach der undichten Stelle. Meter für Meter werden kleine Löcher in den Straßenbelag gebohrt, um mit einer Spezialsonde die Leckstelle exakt zu orten. Die Ursachen für Mängel sind vielfältig: Korrosion bei aggressiven Böden, Brüche durch Verkehrsbelastung oder Bodenbewegungen sowie undichte Verbindungen bei den Leitungen. Die Zwischenbilanz nach sieben Wochen und einer Prüfung von etwa 80 % der gesamten Leitungen fällt sehr positiv aus: nur acht Mal musste der Bautrupp gerufen werden, um die Fehlerstelle umgehend zu beseitigen.

„Dieses hervorragende Ergebnis haben wir natürlich unserer umfangreichen Netzsanierung in den letzten Jahren mit zu verdanken.“ erklärt Wolfgang Heeger, der technische Leiter der Stadtwerke. Rund zehn Millionen Euro wurden investiert. „Das Geld ist im Interesse unserer Kunden für die Sicherheit und die Zuverlässigkeit sehr gut angelegt. Zur Beseitigung der analysierten Schwachpunkte im Netz und zur Erfüllung der gesetzlichen Auflagen war eine zügige Umsetzung der Sanierung notwendig. Man sieht, dass wir schon jetzt den Erfolg für unsere Anstrengungen einfahren. Sonst hätten wir jetzt wieder jede Menge kleine zeit- und kostenaufwendige Reparatur-Baustellen in den Wohngebieten gehabt.“

Der externe Prüfer vergleicht die Situation mit Gera, seinem Wohnsitz in Thüringen: „Im Osten haben wir in den 90er Jahren ein ganz neues Erdgasnetz erhalten. Das gute Prüfergebnis hier ist mit den neuen Bundesländern vergleichbar.“ Insgesamt gefällt Andreas Franz der etwa zweimonatige Aufenthalt in Osterholz-Scharmbeck. „Die Bevölkerung war gut informiert, wir konnten überall ungestört die Grundstücke betreten.“ Auch das Klima des Nordens lobte er: „In den Großstädten können wir tagsüber bei großer Hitze nicht mehr weiter arbeiten, dann ist die Bodentemperatur für das Messgerät einfach zu hoch. Aufgrund des Verkehrs müssen wir da teilweise morgens schon ab 4 Uhr und am späten Abend arbeiten.“

Innerhalb der Häuser sind die Besitzer und Mieter für die Überprüfung der Erdgasanlagen selbst verantwortlich. Fachkundige Wartungen bieten Installateure des Fachhandwerks an. Auch die Schornsteinfeger tragen zur Sicherheit mit bei, denn sie überprüfen regelmäßig die Abgasanlagen. Für weitere Informationen zum Thema Erdgas-Sicherheit steht bei den Stadtwerken der Energieberater Klaus-Jürgen Pika telefonisch unter 04791 / 809 47 zur Verfügung. Eine kostenlose Broschüre zum Thema „Erdgas-Sicherheit“, mit einer Checkliste für Hausanlagen liegt im Kundenzentrum der Stadtwerke bereit.


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